in der Galerie Village
in Wien























Laudatio von Michael Fuchs :


Ich habe mich sehr gefreut, als Janine mich gebeten hat, diese Ausstellung zu eröffnen.

Das Wort "altmeisterlich" ist ja schon gefallen und auch in einem Gespräch das Wort "zeitgenössisch".

Natürlich fragt man sich, ob altmeisterliche Malerei auch zeitgenössisch sein kann. Das kann es sehr wohl ! Man weiß aus der Kunstgeschichte, dass seit den Griechen altmeisterlich gemalt wurde - das heißt : sehr genau, mit Liebe zum Detail, mit Liebe zur Natur, mit Liebe zum Geist des Menschen, ...

Daher kann ein Bild immer altmeisterlich sein und zugleich auch immer zeitgenössisch, weil diese Bilder in einer bestimmten Zeit gemalt wurden.

Ich meine, wenn man Janines Bilder im Kunsthistorischen Museum oder im Louvre aufhängen würde, zwischen Da Vinci und Raffael, würde man schon einen Unterschied sehen, aber trotzdem sagen:
"Ja, das sind Bilder aus dem 20. Jahrhundert !"

Das ist moderne Kunst was hier hängt, aber in einer sehr altmeisterlichen Tradition gehalten und in der altmeisterlichen Philosophie.

Diese Philosophie besagt, dass die Kunst ihren Ausgangspunkt in der Natur sieht und dass die Kunst eine Natur ist, die der Mensch geschaffen hat in seiner Sekundärnatur, im Rahmen der primären Natur, die von Gott geschaffen wurde.

Diese Schöpferqualität des Menschen, in dem er eine Welt schafft, äußert sich in der Beschaffenheit der Natur der Bilder. Sie sind ein Teil der Natur und hervorgegangen aus der Natur.

Das ist glaube ich das, was wir meinen, wenn wir "altmeisterlich" sagen. Da gibt es eine Verbundenheit mit der Natur und doch ist es eine völlig neue Schöpfung. Der Mensch wird selber innerhalb der Natur eine neue Schöpfung haben und bringt als Ebenbild Gottes - als Schöpfer - eine neue Welt hervor.
Das ist etwas, woran alle alten Meister geglaubt haben - ohne Ausnahme.

Sie wussten, dass ihr Sein ein sekundäres, ein partizipierendes Sein ist, aus dem dass primären Sein, des einen, den sie Gott nannten, hervorgeht. Sie wussten auch, dass ihre Kultur, eine sekundäre, partizipierende Kultur, eine zweite Natur ist, ausgehend von der Natur Gottes.

Das macht das Kriterium für die Echtheit und Schönheit eines Kunstwerkes aus. Nicht nur, dass es ein Abbild der Natur ist, sondern dass es eine zweite Natur ist, eine eigene, die sich aber nicht von der Natur abtrennen lässt. Bei Janine sieht man das perfekt !

Da ist diese volle Verbundenheit mit der Natur, und trotzdem sieht man : dass ist was völlig Anderes, etwas Neues. Bei ihren Bildern könnte man sagen: "Man würde ein Vergrößerungsglas brauchen, um das anzuschauen."

Das brauchen wir auch für die Natur, und benutzen Elektronenmikroskope um sie zu betrachten. Und je tiefer wir in sie eindringen, je mehr finden wir dort.

Es ist ja auch bei deinen Werken so - ich habe das ja selbst erlebt beim ersten Betrachten deiner Bilder. Ich habe eine Lupe genommen und sah bald, dass ich eine noch größere Lupe brauchen würde, um alles zu sehen. Ich sah, dass das was du gezeichnet hast, nicht zufällig entstanden ist, sondern du so fein gezeichnet hat, dass man - was weiß ich - eine zehnfache Vergrößerungslupe braucht, um alles zu finden. Ich war ganz erstaunt !

Und trotzdem, wenn man zurücktritt, sieht man im Gesamteindruck der Bilder eine starke künstlerische Aussage. Und das ist wieder diese Welt.
Wenn man die Welt vom Mond aus betrachtet - das konnte ich leider Gottes noch nicht, aber werde das hoffentlich eines Tages noch schaffen - da sieht man eine wunderschöne runde Kugel, wie eine Marmorkugel fast. Und dann geht man immer näher, immer tiefer und es offenbart sich immer mehr und mehr !

Das ist es, wenn ich "altmeisterlich" höre oder daran denke. Ich denke an die Möglichkeit unendlich viel und unendlich tief in etwas einzudringen. Auch geistig, auf die geistige Bedeutung der Bilder, die Du machst ! Unendlich tief einzudringen, unendlich mehr und immer wieder etwas Neues sehend. Die Bilder werden dadurch lebendig.

Sie können so ein Bild in der Wohnung hängen haben und es wird ihnen beim Betrachten nie fad. Die Spannung wird nie nachlassen, es ist immer etwas Neues zu sehen. Es schaut immer anders aus und hat immer wieder eine neue Dimension !

Es liegt auch daran, dass Janines Seele darin ist ! Das Bild ist ja auch ein Opfer, dass sie bringen muss, um sich aus ihrer schöpferischen Qualität ein solches Werk abzuringen - besonders wenn man daran denkt, wie lange sie an ihren Bildern arbeitet !

Das ist etwas was von den Kunstkritikern bekrittelt wird, sie sagen abwertend : "Das ist altmeisterlich !" Das ist das größte Kompliment für uns, wenn man uns das sagt !
Es ist altmeisterlich, neuartig und lebendig !

Ich möchte sie wirklich einladen, wenn es ihnen möglich ist, zurück zu kommen zur Ausstellung und bringen sie eine Lupe mit. Eine zehnfache ! Studieren sie die Bilder und lassen sie die Bilder auf sich wirken ! Sie werden sehen, was es bedeutet, wenn man sagt: "In einem Bild tut sich eine ganze Welt auf !" Und diese Welt wird immer größer, und immer tiefer, und es eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten ! Darin bist Du schon ein Meister in Deinen jungen Jahren, dass muss ich sagen - wirklich, also das bringst Du schon !

Kommen sie noch einmal und studieren sie die Bilder noch genauer - das ist schon eine faszinierende Sache !

Über Leute in Kärnten habe ich Janine kennen gelernt. Ich mache in diesem Sommer ein Malseminar in Friesach und wir werden dort zusammen arbeiten.

Für mich ist es eine Ehre diese Ausstellung zu eröffnen und mit Janine zusammen arbeiten zu dürfen. Es ist ja auch für mich etwas, was ich nicht so oft erlebe, dass eine Kollegin in mein Leben tritt, die diesen Anspruch stellt, an ihre eigene Person und an ihr Werke !

Diese Substanz ist wirklich in ihren Bildern, und sie als genießendes Publikum, sind jetzt herausgefordert in aller Ruhe und Konzentration, die benötigt wird, sich vor ein Bild zu stellen. Denn Kunst ist nicht das passive Entertainment, sondern ein Bild muss man erobern ! - Und ganz besonders diese Bilder !

Ich möchte Dir bei dieser Gelegenheit viel Erfolg wünschen ! Und auch alles was Dir im Leben, auch karrieremäßig, wichtig ist ! Alles Gute !



Michael Fuchs mit seiner Frau Cornelia und Tochter Leni



































Dr. Rainer Schubert, Programm-Direktor des Burgtheaters, Schauspielerin Inge Maux vom Theater i d Josefstadt und Galerist Herr Martzak-Görike






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